Steffen Vogt
Gründer von BuchKnall · der Auftakt
Das Interview im Magazin Ausgabe Nr.1 - GENESIS.
Hier in voller Länge.
„Wir erdenken das, worauf sich andere später beziehen. Wir geben der Menschheit ein Langzeitziel und dem Firmament jede Menge Namen."
Warum gibt es BuchKnall?
In Deutschland wird Science-Fiction stiefmütterlich behandelt. Ein Land der Ingenieure und Dichter, und ausgerechnet das Genre, das Technik und Vorstellungskraft verbindet, fristet ein Schattendasein. Das passt nicht zusammen. Ich arbeite als SEO-Manager, ich sehe die Suchanfragen, ich sehe die Lücke und die Nachfrage dahinter. Da liegt eine echte Chance. Sie gehört nicht mir allein, sie gehört allen, die in diesem Genre schreiben und lesen. BuchKnall gibt es, weil diese Chance ergriffen gehört.
Was ist dieses Magazin, und warum fängst du selbst im Interview an?
BuchKnall ist eine kuratierte Science-Fiction-Post. Sie zeigt, wie sehr wir alle dieses Genre leben: neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, Film und Medien, die frischen Gerüchte, neue Autorinnen und Autoren, das Buch des Monats und vieles mehr. Das Magazin gibt Autoren Sichtbarkeit und macht greifbar, was da ist. Science-Fiction lebt und atmet und wächst, wir alle sind ein Teil davon und können sie prägen. Ich fange selbst an, weil jemand den ersten Schritt machen muss. Danach gehört diese Bühne den Autorinnen und Autoren.
Wie läuft so ein Autoren-Interview ab, was können die Autoren erwarten?
Ganz unkompliziert. Jede und jeder beantwortet ein paar offene Fragen, die ihr oder ihm wichtig sind. Wir erfahren das, was sie oder er uns mitteilen will, das, was wirklich zählt. So bekommen wir die Chance, den Menschen hinter dem Buch besser zu verstehen.
Warum wird das Buch des Monats verlost und nicht verkauft?
Das Buch des Monats ist das Gegenstück zum Buch der Woche. Die Sichtbarkeit, die ein Buch braucht, lässt sich beim Buch der Woche durchaus erwerben. Das Buch des Monats dagegen bleibt frei. Es gibt Indie-Autoren, Selfpublishern und kleinen Verlagen ein Ticket zur Sichtbarkeit, Monat für Monat. SciFi-Sichtbarkeit ist in Deutschland teuer und streng kuratiert. Auf BuchKnall nicht. Diese Zeiten sollen sich ändern.
Was wünschst du dir von den Autoren, die hierherkommen?
Ich wünsche mir das Selbstvertrauen, das aus einer einfachen Erkenntnis wächst: Science-Fiction ist wichtig. Wir gehören zu den Vordenkern, die die Zukunft prägen. Wir erdenken das, worauf sich andere später beziehen. Wir warnen vor Gefahren und erkennen Chancen. Wir blicken in den Kosmos und lassen den Tellerrand hinter uns. Wir geben der Menschheit ein Langzeitziel und dem Firmament jede Menge Namen.
Was fehlt der deutschsprachigen Science-Fiction-Buchlandschaft aus deiner Sicht?
Mir fehlt manchmal der gemeinsame Ort. Es gibt sehr gute Autorinnen und Autoren, es gibt kleine Verlage, Selfpublisher, alte Reihen, neue Stimmen, Experimente, harte Wissenschaft, große Space Opera, düstere Near-Future-Stoffe. Aber vieles liegt verstreut herum. Man findet es, wenn man schon weiß, wonach man sucht. Das ist für ein Genre wie Science-Fiction eigentlich absurd, weil dieses Genre vom Entdecken lebt. Von der Ahnung, dass hinter der nächsten Tür etwas wartet. BuchKnall soll genau so eine Tür sein. Man kommt hinein und merkt: Da ist mehr, als man dachte. Viel mehr.
Was ist für dich der besondere Typus des Science-Fiction-Autors?
Ich glaube, der Science-Fiction-Autor ist oft ein Mensch, der mit dem Blick nach oben geboren wurde. Ein Nerd vielleicht, ein Vielträumer, manchmal auch jemand, der im Alltag ganz normal funktioniert und trotzdem innerlich ständig an den Rändern kratzt. Man steht an der Supermarktkasse, sitzt im Büro, bezahlt Rechnungen, bringt den Müll raus, und irgendwo im Kopf läuft gleichzeitig die Frage, was da draußen eigentlich auf uns wartet. Dieses Leben hier unten hat seine Regeln, seine Schwerkraft, seine Enge. Aber für manche von uns fühlt es sich an, als wäre das nur die Lobby. Der eigentliche Bau beginnt oben. Hinter der Atmosphäre. Hinter dem Sichtbaren. Dort, wo die Sprache anfängt zu stolpern und die Fantasie übernehmen muss.
Wie hängen deine eigenen Bücher mit BuchKnall zusammen?
Sie kommen aus demselben inneren Druck. Antinomie und Quantulation sind Bücher, die an genau dieser Stelle entstehen: an der Kante zwischen Welt, Wissenschaft, Glaube, Kontrollverlust und Staunen. Ich weiß, dass das keine leichte Kost ist. Das war auch nie der Plan. Ich schreibe nicht, um alles weich zu machen. Ich will, dass eine Geschichte etwas riskiert. Dass sie Fallhöhe hat. Dass man beim Lesen für einen Moment den Boden verliert und sich fragt, ob das gerade noch Thriller ist, schon Science-Fiction, vielleicht Metaphysik oder etwas, das man noch gar nicht sauber benennen kann.
Warum ist dir dieser Unglaube beim Lesen so wichtig?
Weil der Unglaube ein starker Motor ist. Dieses innere „Das kann doch nicht sein“ hat eine enorme Kraft, wenn die Geschichte es ernst meint. Ich mag Texte, die einen Leser nicht sofort an die Hand nehmen und sagen: Keine Sorge, alles ist sortiert. Manche Leserinnen und Leser wollen genau diese Dunkelheit. Sie wollen nicht auf Seite drei wissen, wo oben und unten ist. Sie wollen eine Idee verfolgen, auch wenn sie sich erst entzieht. Für diese Menschen schreibe ich. Für Leute, die bereit sind, eine Weile in der Schwebe zu bleiben, weil sie wissen, dass dort die interessanten Dinge passieren.
Wie gehst du damit um, dass du bei BuchKnall Gründer und gleichzeitig Autor bist?
Das muss sauber bleiben. Ich bin Autor, also steht bei mir auch Autor. Ich habe Bücher geschrieben, ich will mich dafür nicht verstecken, und natürlich werden manche wissen wollen, was der Mensch hinter BuchKnall selbst macht. Dafür kann es eine Ersteller-Sektion geben, einen transparenten Ort, an dem das offen liegt. Aber die Plattform selbst darf niemals meine private Bühne werden. Das ist eine Grenze, die ich ernst nehme. BuchKnall braucht Vertrauen, und Vertrauen entsteht nur, wenn die Regeln für alle gelten. Der Fairness-Algorithmus gilt auch für mich. Meine Bücher bekommen keine Abkürzung, keine verdeckte Bevorzugung, keinen stillen Bonus im System. Dafür bürge ich.
Was soll BuchKnall irgendwann für andere Autorinnen und Autoren sein?
Ein Ort, an dem man nicht erst berühmt sein muss, um gesehen zu werden. Ein Ort, an dem ein gutes Buch eine Chance bekommt, weil es gut ist, weil jemand es einordnet, weil Leserinnen und Leser darauf reagieren, weil es in diese große, atmende Landschaft der Science-Fiction gehört. Ich wünsche mir, dass Autorinnen und Autoren hierherkommen und spüren: Ich bin mit meinem seltsamen, großen, riskanten Gedanken nicht allein. Da draußen sind andere, die auch hochgucken. Andere, die auch glauben, dass diese Welt nicht das Ende der Vorstellungskraft ist. Wenn BuchKnall das schafft, dann ist es mehr als eine Website. Dann wird es ein Signal.
Vielen Dank
Steffen von Buchknall 💥